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140 Jahre Stephanuskirche

Worin gleicht unsere Stephanuskirche dem Petersdom in Rom? Beide Bauten sind „gewestet“, d.h. ihre Richtung weist vom Haupteingang im Osten nach Westen. Üblicherweise sind evangelische und katholische  Kirchen gen Osten „orientiert“, hin zur aufgehenden Sonne und nach Jerusalem, zur Stätte von Jesu Auferstehung. Abhängig u.a. von örtlichen Gegebenheiten kommen aber auch andere Ausrichtungen vor. Die Ost-  West-Richtung des Petersdomes hat mit dem vermuteten Petrus-Grab, oberhalb dessen der Hauptaltar steht, sowie mit dem Baugelände zu tun und damit, dass wohl eine Öffnung zum Stadtzentrum Roms gewünscht  war. Unsere Stephanuskirche sollte sich mit Turm und Haupteingang der Langenberger Straße zuwenden.

Die Stephanuskirche ist ein neugotischer Bau, sie nimmt einen Baustil des Mittelalters wieder auf. Der Architekt A.Hartel folgte damit dem Eisenacher Regulativ von 1861, einer den Kirchenbauder zweiten Hälfte des 19. Jahrhundertsmaßgebend bestimmenden Empfehlung, der zufolge neue evangelische Kirchen inaltchristlichen, mittelalterlichen Stilrichtungen, bevorzugt jedoch im gotischen (Spitzbögen an Gewölben und Fenstern,Strebewerke usw..), errichtet werdensollten. Hauptbaumaterialien unserer Kirche sind – vorrangig aus Kostengründen – Ziegel und nicht der im Rheinlandvielerorts anzutreffende Sandstein oderTuff. An einigen Stellen finden sich aberauch Elemente aus Hausstein, so die große Fensterrosette oberhalb des Haupteingangs, die Spitzen der Fensteröffnungenund im Innern wohl die bemalten Schluss-Steine der Gewölbe sowie die Füße und Kapitelle der beiden Säulen.

Der hier wiedergegebene, aus der Erbauungszeit stammende Grundriss (der nicht in allen Einzelheiten dem heutigenZustand entspricht), zeigt – vom Turm ausgesehen – eine Kreuzesform, ganz gemäßden alten Meistern. Über diesem Grund-riss erhebt sich der Kichbau, zu dessen Charakter man unterschiedliche Ansichtenvertreten kann. So beschreibt der anschauliche und informative Bildband über die kirchlichen Bauten in Essen von Dohmenund Sons (Essen 1998) den Innenraum unserer Kirche als skurrile Verbindung von Hallenkirche (die Gewölbe in der gesamten Kirche sind gleich hoch) und keuzförmiger Basilika (das Mittelschiff/der Mittelbau der Kirche überragt die daneben befindlichen Seitenschiffe). Es sprechen einige Gründe für eine Zuordnungausschließlich als Hallenkirche. Denn dass die zu den beiden Nebentüren füh-renden seitlichen fensterlosen Gänge miteiner Breite von ¼ des Mittelschiffs und einer Länge von nur einem Joch (durch Pfeiler oder Säulen unterteilte Abschnitteder Kirche, vom Turm aus gesehen) als Seitenschiffe einer Basilika gedacht sind erscheint nicht zwingend. Die beiden weiteren Joche in Richtung Westen bilden Wohl den Querbalken des Kreuzes, d.h.das „Querschiff“. Dessen seitliche Armevon halber Mittelschiffbreite könnten aber auch als Seitenschiffe angesehen werden,die als solche dann eigentlich schon an den Nebentüren beginnen müssten. Diese unterschiedlichen Deutungsmöglichkeiten beruhen wohl darauf, dass die Architektendes 19. Jahrhunderts mit den Stilmitteln der alten Meister bisweilen freier umgegangen sind. Dies macht gerade den Reiz auch unserer Stephanuskirche aus.

Kennzeichnend für das Kircheninnereist zudem: Die Länge des Kirchenschiffes – gemessen vonder Schwingtür in den Kirchenraum bis zur Schwelle des Chorraumes – misst nur wenig mehr als die Länge des Querschiffes von Süd nach Nord. Mit der so geschaffenen weitwirkenden Halle, nur unterteilt durch die zwei Säulen, ist dem Architekten ein besonderer einladender protestantischer Predigtraum gelungen, in dem die Wortverkündigung (fast) überall vernehmbar ist.

Der Kirchenraum hat zudem durch einige Veränderungen im Zuge der Renovierungen in den 1970er Jahren gewonnen: Das Tageslicht fällt hell durch die seitdem nur mit Drahtglas versehenen Seitenfenster in den Raum. Die Kanzel wurde aus dem Chorraum in das „Querschiff“ versetzt (etwas schief) und steht jetzt frei. Die alten Kirchenbänke wurden durch flexible Einzelstühle ersetzt.

Unsere Stephanuskirche ist der einzige neugotische, dörfliche, evangelische Kirchenbau des 19. Jahrhunderts in Essen, der Kriege und Zeiten der Geringschätzung der Neugotik äußerlich nahezu unverändert – abgesehen von notwendigen Verstärkungen an einigen Fenstern überstanden hat. Es war darum gerechtfertigt, den Bau im Jahre 1989 unter Denkmalschutzzu stellen. Die Stephanuskirche ist am 7. September 1882 in einem Festgottesdienst feierlich in den Dienst genommen worden,begeht somit in diesem Jahr ihren140-jährigen Geburtstag.

Erwin-Albrecht von Bergen

Montag, 23. May 2022
Losungstext: Singet fröhlich Gott, der unsre Stärke ist! Psalm 81,2 Lehrtext: In allem erweisen wir uns als Diener Gottes: als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alles haben. 2. Korinther 6,4.10

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